Meine (seine) Gemeinde und ich

Was bedeutet mir (m)eine Gemeinde? So fragt Martha in ihrer Blogparade #gemeinsamglauben. Vielen Dank für den Anstoß, den ich hier gern aufnehme.

Als ich Christ wurde, brach in mir auch die Sehnsucht nach Gemeinde auf. Ok, ich war vorher auch schon in der Gemeinde (Kirchengemeinde, CVJM) und das auch recht aktiv, aber mit dem bewussten Schritt, mein Leben komplett in die Hände von Jesus zu legen, begann doch noch mal etwas ganz Neues. Ich suchte nach Menschen, die ihren Glauben auch im Alltag leben. Damals bin ich bei den „Apis“ gelandet, einer Gemeinschaftsbewegung innerhalb der evangelischen Landeskirche. Dort sind wir als Familie immer noch beheimatet.

Dazwischen gab es aber auch eine Zeit, in der wir fast weg gewesen wären. Also weg aus der Landeskirche und hin zur Freikirche. Alles schien dort lebendiger, näher dran an Gott und seinem Wort. Was uns dort begeisterte war das missionarische Herz, der Wunsch, Menschen mit der frohen Botschaft von Jesus zu erreichen. Außerdem erschien es uns so, dass Gott uns in diese Richtung führt. Dennoch sind wir geblieben. Das war nicht einfach, hat aber viel damit zu tun, was ich in dieser Zeit über Gemeinde entdeckt habe.

Das erste und wesentlichste war wohl der Gedanke, dass meine Gemeinde immer Gemeinde im Ort ist, also da, wo man wohnt. Ich weiß, dass viele das anders sehen und zum Teil auch weite Wege auf sich nehmen, um in ihre Gemeinde zu gehen. Und doch möchte ich mich hier ganz bewusst für die „Ortsgemeinde“ stark machen.

Gemeinde ist immer Gemeinde im Ort, also da, wo man wohnt.

Der Schlüssel hierzu war für mich die Entdeckung, dass es in der Bibel keine Aufforderung gibt, die (Orts-)Gemeinde zu verlassen und eine neue zu gründen oder zu suchen. Egal in welchem Zustand die Gemeinde sich befindet. Und die Zustände sind dort schon zum Teil katastrophal. Lies mal den 1 Brief an die Korinther oder Offenbarung 2 und 3. Aber es gibt sehr wohl die Aufforderung, das Übrige zu stärken oder uns gegenseitig anzunehmen.  So sind wir geblieben, um uns vor Ort in unserer und für unsere Gemeinde einzusetzen.

Später wurde mir durch das Buch „Gemeinsames Leben“ von Bonhoeffer deutlich, dass Gemeinde vor allem ein Geschenk ist. So wie ich in eine Familie hinein geboren werde und mir weder Eltern noch Geschwister aussuchen kann, so werde ich auch in die Gemeinde hinein geboren.

Gemeinde ist vor allem ein Geschenk

Das macht Gott und er schenkt mir auch meine Geschwister. Die suche ich mir nicht aus. Darüber kann ich jetzt unglücklich sein und mit Gott hadern, weil in meiner Gemeinde „alles so schrecklich“ ist, oder ich kann dankbar meinen Platz annehmen, an den Gott mich stellt und mich mit den Gaben einbringen, die ich bekommen habe. Oft kann ich meine Gemeinde nicht ändern aber sehr wohl meine Haltung zu ihr. Natürlich leide ich auch immer wieder an und in der Gemeinde, leide an Zuständen, die ich so nicht gut finde, leide an Spaltungen und Streit. Aber Gemeinde wird nie perfekt sein, da wir Menschen selbst als Kinder Gottes nicht perfekt sind.

Oft kann ich meine Gemeinde nicht ändern aber sehr wohl meine Haltung zu ihr.

Und dann ist Gemeinde für mich der Ort, an dem das Reich Gottes in dieser Welt am deutlichsten sichtbar wird. Wo sonst fragt man gemeinschaftlich nach Gottes Willen, wo sonst wird er so laut und deutlich gelobt, wo sonst erfährt man so deutlich den Zuspruch aber auch die Korrektur auf seinem Weg mit Gott? Hier begegnen mir Menschen mit denen ich auf einem Weg unterwegs bin. Und dieser Weg hat einen Namen: Jesus Christus.

Ein wunderbares Erlebnis mit Gemeinde war für mich eine Geschäftsreise nach Sydney.

Ich konnte es so planen, dass ich an einem Samstag Abend im Hotel eintraf. Schon vorher hatte ich mich informiert, wo ich am Sonntag den Gottesdienst besuchen würde. Als ich dann am nächsten Morgen in diese Gemeinde ging erlebte ich, was die weltweite Verbundenheit in Jesus bedeutet. Es war Heimat in einem total fremden Ort auf der anderen Seite der Welt! Ich wurde liebevoll aufgenommen und den ganzen Tag umsorgt, mit Mittagessen und Stadtbesichtigung. Wir sind nirgends auf dieser Welt fremd, wenn es dort Christen gibt.

Letztlich ist Gemeinde weit mehr als wir verstehen können. Sie ist eben kein Verein, den wir Menschen gründen, keine Organisation, schon gar nicht ein Gebäude. Gemeinde ist auf geheimnisvolle Weise ein Teil von Gott selbst in dieser Welt. Es ist seine Gemeinde. Eines Tages wird dies sichtbar werden.

2 Gedanken zu “Meine (seine) Gemeinde und ich

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